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Seminar: Tragisches Lebensgefühl und vitale Vernunft: Einführung in Miguel de Unamunos und José Ortega y Gassets Lebensphilosophie

Master Philosophie / Master Geschichte / Master Vergleichende Kulturstudien

Zeit: Freitag, 12-14

Raum: HG 1.072

Beginn: 12.04.2013

Miguel de Unamuno (1864-1936) und José Ortega y Gasset (1883-1955) – diese beiden spanischen Dichter und Denker des 19. und 20. Jahrhunderts stehen im deutschen Sprachraum nicht im Rappenlicht philosophischer Aufmerksamkeit, eher in der Romanistik oder, wie im Fall von Ortega y Gasset, in Soziologie und Politikwissenschaften. In Spanien und in Lateinamerika bestimmte ihre existentielle Denkrichtung jedoch maßgeblich die Philosophie des 20. Jahrhunderts. In Europa inspirierten sie die Entwicklung der Lebens- und Existenzphilosophie.
Unamunos philosophisches Hauptwerk „Über das tragische Lebensgefühl“ (1913) dechiffriert die Kluft zwischen Verstand und Leben, zwischen rationaler Einsicht und den weiter ausgreifenden Postulaten des Lebens und Gefühls. Den zwangsläufig tragischen Konflikt zwischen Vernunftwahrheiten und den vitalen Voraussetzungen des Daseins bringt er auf die Formel: „Alles Vitale ist antirational, und alles Rationale ist antivital“. Seine Romane illustrieren diesen Zwiespalt und suchen nach Lösungen.
Ortega y Gasset wurde durch seine soziologische Studie „Der Aufstand der Massen“ (1930) bekannt und politisch rezipiert (Adenauer). In der Philosophie prägte er den Begriff von der „lebendigen Vernunft“ (razón vital), auf dem sein „raciovitalismo“ aufbaut. Im Unterschied zu Descartes‘ Vernunftverständnis versteht Ortega y Gasset das Leben als die umfassende Kategorie: das Leben bedient sich der Vernunft, äußert sich in ihr, definiert die Vernunft durch die Lebensgeschichte. Das „Ich denke“ und „Ich bin“ sind keine abstrakten Größen; sie sind definiert durch die konkreten Lebensumstände („Yo soy yo y mi circunstancia.“).
Das Seminar hat zum Ziel, in Leben und Denken der beiden spanischen Lebensphilosophen einzuführen und ihre Rezeption zu analysieren. Spanischkenntnisse sind zur Lektüre der Texte nicht notwendig, im Einzelfall aber hilfreich.

Literatur:

  • Miguel de Unamuno, Das tragische Lebensgefühl, München 1925;
  • Ders., Nebel, 1988 / 1996.
  • José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, in: Gesammelte Werke 3: 7-155, Stuttgart 1978.
  • Ders., Was ist Philosophie?, in Gesammelte Werke 5: 313-515;
  • Ders., Das Problem unserer Zeit, in: Gesammelte Werke 2: 79-141.
  • Luis S. Granjel, Miguel de Unamuno: Ein Lebensbild, Stuttgart 1962.
  • John T. Graham, A Pragmatist Philosophy of Life in Ortega y Gasset, University of Missouri Press, 1994.
  • Frauke Jung-Lindemann, Zur Rezeption des Werkes von José Ortega y Gasset in den deutschsprachigen Ländern, Frankfurt am Main 1997 / 2001.
     
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