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Die Lateinamerikanische Philosophie des 20. Jahrhunderts

Di., 14 (c.t.) - 16 Uhr, 18.10.-07.02., wöchentlich, HG / 3.074, Prof. Dr. Michael Schulz

Seminar: Di., 14 (c.t.) - 16 Uhr

Frequenz: wöchentlich

Zeitraum der Veranstaltung: 18.10.2016 bis 07.02.2017

Raum: HG / 3.074

Lehrpersonen: Prof. Dr. theol. Michael Schulz

 

Beschreibung:

Was ist Philosophie? Auf dem Boden Lateinamerikas hat sich diese Frage mit neuer, verschärfter Brisanz gestellt. Zunächst importierte man Altbekanntes aus der „alten Welt“: koloniale Philosophie, abgelöst von Plagiaten der Europäischen Aufklärung. Aber der neue Kontext ließ bereits die traditionelle Philosophie über sich hinausgehen, um für die Rechte der ursprünglichen Bevölkerung des Kontinents eine konsistente Argumentation zu entwickeln. Ein komplexer Selbstentdeckungsprozess führte im 20. Jh. zur Genese einer genuin lateinamerikanischen Philosophie. Mit der Bestimmung „mestizaje“ (Mestizentum) schien ein erster Identitätsmarker gefunden. Verstärkt signalisieirt dieser Identitätsmarker auch eine philosophierende Offenheit für die Weisheitstraditionen indigener Kulturen. Der kubanische Poet und Freiheitskämpfer José Marti (+ 1895) sah in den indigenen Traditionen ein amerikanisches Pedant zu den europäischen Anfängen der Philosophie bei den Griechen. Ethnologen identifizierten in der Tat eine historische Nahuatl-Philosophie, die sich von Mythen abhebt. Aber auch die mythischen Traditionen der Maya, der andinen Bevölkerung, der Mapuche und Guaraní werden philosophisch gelesen. Unter dem politischen Stichwort „Befreiung“ verbinden sich viele unterschiedliche philosophische Entwürfe des 20. Jh. miteinander. Dabei verwebt sich die Frage nach dem Wesen der Philosophie mit der Frage nach der Identität Lateinamerikas. Zunehmend zeichnet sich eine interkulturelle Formatierung der Philosophie ab, zu der ebenso eine interreligiöse Dimension gehört. Das Seminar führt anhand philosophischer Portraits in die Genese der lateinamerikanischen Philosophie ein und fokussiert den interkulturellen Aspekt (José Marti, José Enrique Rodó, Miguel León-Portilla, Josef Estermann, Eduardo Viveiros de Castro, José Carlos Mariátegui, José Vasconcelos, Leopoldo Zea, Arturo Andrés Roig, Augusto Salazar Bondy, Enrique Dussel, Ignacio Ellacuría, Juan Carlos Scannone, Raúl Fornet-Betancourt, Santiago Castro-Gómez). (Spanischkenntnisse sind für die Teilnahme am Seminar hilfreich, aber nicht notwendigerweise erforderlich.)

Literatur:

Latin American Philosophy. For the 21st Century, hg. v. Jorge J.E. Gracia und Elizabeth Millán-Zaibert, New York 2004.

Raúl Fornet-Betancourt: Zur interkulturellen Kritik der neueren lateinamerikanischen Philosophie, Nordhausen 2005.

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